„Trendatlas“ für Thüringen

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Wirtschaftsminister Machnig stellt Roadmap für wirtschaftliche Entwicklung bis 2020 vor

Gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaft hat Wirtschaftsminister Matthias Machnig am 17. März in Erfurt den „Trendatlas“ für Thüringen vorgestellt. „Mit dem ‚Trendatlas‘ legen wir die Roadmap für die wirtschaftliche Entwicklung Thüringens bis zum Jahr 2020 fest“, sagte Machnig.

Der „Trendatlas“ definiert elf Wachstumsfelder für Thüringens Wirtschaft und gibt 16 Handlungsempfehlungen für die strategische Ausrichtung der Wirtschafts-, Innovations-, Technologie- und Energiepolitik. Erstmals wurden in die Analyse nicht nur die Stärken und Schwächen des Standorts Thüringen, sondern auch globale Wachstumstrends einbezogen, um künftige Nachfragepotenziale für die Thüringer Wirtschaft zu prognostizieren. „Mit einer konsequent am ‚Trend­atlas‘ ausgerichteten Wachstumspolitik können wir die Wertschöpfung in Thüringen bis 2020 um bis zu 4,4 Mill. Euro steigern und mehr als 50 000 neue Arbeitsplätze schaffen“, sagte der Wirtschaftsminister.

Hintergrund für den „Trendatlas“ ist der Koalitionsvertrag von CDU und SPD, in dem festgelegt wurde, ein Papier („Zukunftsatlas“) vorzulegen, das die Potenziale für Wachstum, Beschäftigung und Innovationen in Thüringen erfasst. Der „Trendatlas“ wurde zwischen Juni 2010 und März 2011 im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums von der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants erarbeitet. Dabei wurden 30 globale Megatrends und 259 Trendfelder analysiert und auf die spezifischen Stärken und Kompetenzen Thüringens bezogen. Darüber hinaus sind in den „Trendatlas“ rund 100 Interviews mit Thüringer Experten sowie Befragungen von 640 Unternehmen eingeflossen. „Das Ergebnis ist eine Wachstumsstrategie für Thüringen, die die knappen Ressourcen auf wenige, erfolgversprechende Wachstumsfelder konzentriert“, fasst Wirtschaftsminister Machnig den „Trendatlas“ zusammen. 

Bei den Thüringer Wachstums­feldern unterscheidet der „Trendatlas“

  • die vier anwendungsorientierten Bereiche Automotive, Life Sciences (Biotechnologie, Medizintechnik), umweltfreundliche Energien und Energiespeicherung (vor allem Photovoltaik) sowie Maschinenbau,
  • die vier Querschnittstechnologien Kunststoffe und Keramik, Mikro- und Nanotechnik, Mess-, Steuer- und Regeltechnik sowie Optik/Optoelektronik
  • und die drei trendinduzierten Bereiche GreenTech (außer Energieerzeugung und -speicherung), Service-Robotik und Kreativwirtschaft/Edutainment.

Handlungsempfehlungen

Zu allen Wachstumsfeldern werden spezifische Maßnahmen vorgeschlagen, darunter z. B. der Aufbau eines Exzellenzzentrums für Solarproduktionstechnik, die Gründung eines Robotik-Zentrums oder eines „Thüringer Innovationszentrums Mobilität“; die Stärkung und der Ausbau der Branchennetzwerke Mikro-Nanotechnologie Thüringen e.V. und Elektronische Mess- und Gerätetechnik Thüringen eG (ELMUG); die Schaffung einer Energieeffizienzplattform oder die Gründung einer zentralen Medienvermarktungsagentur.

Darüber hinaus gibt der „Trendatlas“ 16 übergreifende Handlungsempfehlungen vor, darunter

  • die strikte Fokussierung der Wirtschaftsförderung auf die genannten Wachstumsfelder;
  • die Förderung des Wachstums der vorhandenen Unternehmen, z. B. durch Entwicklung geeigneter Finanzierungsinstrumente für Unternehmenszukäufe und Übernahmen oder die Auflage eines Eigenkapital-Hilfsprogramms;
  • die Förderung von Unternehmenskooperationen durch bessere Verknüpfung von Anwendung/Forschung oder Produkt/Dienstleistung;
  • die Verbesserung des Gründerklimas, etwa durch Schaffung geeigneter Instrumente zur Gründungsfinanzierung;
  • die aktive Erschließung von Auslandsmärkten, u. a. durch Ausbau der Beratungsangebote und Erarbeitung eines Außenwirtschaftskonzepts, das Zielmärkte und geeignete Erschließungsmaßnahmen definiert;
  • der Ausbau der Technologieförderung, u. a. durch Einrichtung eines „Industriekabinetts“, das relevante Ressorts des Landes sowie Landesgesellschaften wie LEG, TAB, TIB und Vertreter der Cluster einbindet, sowie durch Verstärkung der vorhandenen Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten;
  • die Sicherstellung einer leistungsfähigen Infrastruktur, z. B. durch Verbesserung der Breitbandversorgung, den Ausbau des Flughafens Erfurt-Weimar, den Aufbau eines Pools attraktiver Industrie- und Gewerbeflächen in den wachstumsstarken Regionen;
  • die Fortführung der Investitionsförderung auf möglichst hohem Niveau, u. a. durch volle Kofinanzierung von EU- und Bundesprogrammen;
  • die Weiterentwicklung der Thüringer Aufbaubank (TAB) zur Landesstrukturbank, die trotz rückläufiger EU-Förderung wesentliche strategische Projekte des Landes finanziell ermöglicht;
  • die Sicherung der Fachkräfteversorgung, z. B. durch Initiativen zur Bindung von Hochschulabsolventen an Unternehmen der Region, zur Rückgewinnung von „Auspendlern“ oder zur Unterstützung von Fachkräften und Akademikern beim Arbeits- und Wohnortwechsel, dem Familiennachzug etc.;
  • die Verbesserung des Clustermanagements durch die Schaffung einer zentralen Koordinierungsstelle, die notwendige Abstimmungen mit LEG, TAB und weiteren Akteuren auf Landesebene vornimmt und Kooperationsvorhaben anstößt.

Publikation

Thüringer Memos 3: Einwanderungsstrategie

Thüringen ist – nach den neuesten Erkenntnissen des Zensus 2011 – das Bundesland mit dem geringsten Ausländeranteil und dem niedrigsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Die aktuellen Zuwanderungszahlen deuten indes darauf hin, dass die Zukunft des Landes in einer Internationalisierung liegen kann. Sowohl durch die Freizügigkeit innerhalb der EU als auch durch die europäische Staatsschuldenkrise und die sich daraus ergebenden Wanderungsbewegungen haben sich die Zuzüge aus dem Ausland deutlich erhöht. 

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