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Eine Synthese der besonderen Art: Johann Sebastian Bachs Barockmusik und das fast 100 Jahre alte Industriedenkmal Heizwerk. Foto: LEG
Das Heizwerk im Erfurter Brühl beherbergte im April 2010 zwei Events der ganz besonderen Art. Im Rahmen der Thüringer Bachwochen öffnete sich das Kesselhaus für Konzertbesucher. Im großen Saal, der durch die Trichter des ehemaligen Kohlebunkers die Ausstrahlung einer dreischiffigen Kathedrale erhält, präsentierte der Pianist David Fray seine Interpretation der Bachschen Klavierkonzerte d-Moll BWV 1052 und f-Moll BWV 1056. Der Gewinner des ECHO-Klassik 2009 wurde dabei vom Münchner Kammerorchester unter der Leitung von Daniel Giglberger unterstützt.
Schien das fast 100 Jahre alte Industriegebäude schon schwer vereinbar mit der Musik Johann Sebastian Bachs, galt dies für das Repertoire des zweiten Konzerts umso mehr: Unter dem Titel „Barock Lounge“ traf Bachs lutherische Kirchenmusik auf Elektropop. Das Barockensemble Elbipolis spielte Bachs Werke und inspirierte den Elektrokünstler Johannes Malfatti zur unmittelbaren Umsetzung in elektronische Klänge. Aus beiden Stilen entstand eine überraschende Synthese.
Das ehemalige Heizwerk in Erfurt liegt an prominenter Stelle am Fuße der Zitadelle Petersberg, direkt am Theaterplatz. Es wurde von 1912 bis 1915 als Kohlekraftwerk für die umliegenden Industriebetriebe errichtet und in den sechziger Jahren zum Heizwerk umgebaut. Zuletzt diente es dem OPTIMA Büromaschinenwerk und der Mikroelektronik Erfurt als zentrale Fernheizungsversorgung. Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudes ist die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen mbH. Zehn Jahre lang war das Gebäude aufgrund seines baulichen Zustandes nicht mehr zugänglich. 2008 fiel der Startschuss für die Sicherung und Grundsanierung: Zunächst wurden die Tragkonstruktionen stabilisiert, das Dach vollständig erneuert, die stadtseitige Fassade saniert sowie Fenster und Türen ersetzt. Für die Sanierung standen Städtebaufördermittel in Höhe von 1,9 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm „Stadtumbau Ost“ zur Verfügung. Die weitere Nutzung des Gebäudes ist derzeit noch unklar.
Die Thüringer Bachwochen haben sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Musikfest des Landes entwickelt. Mehr als 12.000 Besucher aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland kommen in der Osterzeit nach Thüringen, um im Rahmen des dreiwöchigen Festivals an den historischen Lebensstationen Johann Sebastian Bachs seine Musik in Konzerten zu erleben.
Editorial
soziale Symmetrie gerade in Zeiten der Krise ist ökonomisch notwendig und gesellschaftspolitisch zwingend. Beim Sparpaket der Bundesregierung werden nicht die Verursacher, sondern vor allem die Leidtragenden der Finanz- und Wirtschaftskrise zur Verantwortung gezogen. 30,3 Milliarden Euro sollen in den kommenden vier Jahren im Bereich Arbeit und Soziales gespart werden. Gerecht geht anders. Statt die Ausgaben für die Schwächsten zu kürzen und damit den Sozialstaat in Frage zu stellen, muss es darum gehen, politisch handlungsfähig zu bleiben. Spielräume, vor allem bei den vermögensbezogenen Steuern, gibt es genug. Eine aktuelle Studie des DIW bestätigt diese Einschätzung.
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