Koordinierte Strategie zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte notwendig

Die Finanzpolitik steht vor drei wesentlichen Herausforderungen: Sie muss Defizite abbauen, die Konjunktur stützen und Zukunftsinvestitionen sichern. Hinzu kommt die Eurokrise, sie verlangt ein koordiniertes Vorgehen der Mitglieder der Währungsunion.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlässt in den öffentlichen Haushalten tiefe Spuren auf allen Ebenen. Die notwendigen Ausgaben zur Stabilisierung der Finanzmärkte und der Konjunktur sowie gleichzeitig sinkende Steuer- und Beitragseinnahmen haben zur Folge, dass die öffentliche Verschuldung drastisch ansteigt.

Mit einem erwarteten gesamtstaatlichen Defizit von rund fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes in 2010 steht Deutschland noch vergleichsweise gut da: Für Großbritannien wird in diesem Jahr ein Defizit von 12,9 Prozent prognostiziert, für Spanien 11,4 Prozent und für Frankreich 7,9 Prozent. Aber auch hier sind die Zahlen bedrohlich: die öffentliche Gesamtverschuldung wird von 1,6 Billionen Euro in 2008 auf 2,2 Billionen Euro in 2013 ansteigen und damit über 80 Prozent des BIP umfassen. Städte und Gemeinden erwarten im laufenden Jahr bundesweit ein Rekorddefizit von etwa 15 Milliarden Euro. Thüringen wird mit 820 Millionen Euro gut acht Prozent des Landeshaushalts durch Kredite finanzieren müssen. Das Beispiel Griechenland zeigt, dass Staaten nicht dauerhaft über ihre Verhältnisse leben können. Die Haushaltskonsolidierung ist daher unausweichlich. Sie muss aber zum konjunkturpolitisch richtigen Zeitpunkt erfolgen und intelligent durchgeführt sein. Thüringen darf die Zukunftsinvestitionen in Bildung, Forschung und neue, ressourcenschonende Technologien nicht vernachlässigen. Sie sind Voraussetzung für mehr Wirtschaftskraft und attraktive Arbeitsplätze.

Auch auf europäischer Ebene kommt es auf das richtige Timing an. Insbesondere in Griechenland, Spanien, Portugal und Irland müssen einschneidende Sparmaßnahmen ohne Verzögerung umgesetzt werden. Dagegen wäre eine parallele rigide Sparpolitik in den anderen EU-Staaten konjunkturpolitisch hoch riskant. Deshalb müssen Länder wie Deutschland, die Niederlande oder Österreich zeitverzögert in den nächsten Jahren umsichtig konsolidieren. Europa braucht daher eine glaubhafte koordinierte Konsolidierungsstrategie, die Lehren aus dem Versagen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes in der aktuellen Krise zieht.

 

Editorial

Liebe Thüringerinnen, liebe Thüringer,

Matthias Machnig, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie des Freistaates Thüringen
 

soziale Symmetrie gerade in Zeiten der Krise ist ökonomisch notwendig und gesellschaftspolitisch zwingend. Beim Sparpaket der Bundesregierung werden nicht die Verursacher, sondern vor allem die Leidtragenden der Finanz- und Wirtschaftskrise zur Verantwortung gezogen. 30,3 Milliarden Euro sollen in den kommenden vier Jahren im Bereich Arbeit und Soziales gespart werden. Gerecht geht anders. Statt die Ausgaben für die Schwächsten zu kürzen und damit den Sozialstaat in Frage zu stellen, muss es darum gehen, politisch handlungsfähig zu bleiben. Spielräume, vor allem bei den vermögensbezogenen Steuern, gibt es genug. Eine aktuelle Studie des DIW bestätigt diese Einschätzung.

 
 

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